lehr- und wanderjahre

Donnerstag, 5. März 2009

mittelstandsdebatte

wenn sie ihre letzten 76 5-centstücke in den zigarettenautomaten werfen und dabei überlegen, wie sie sich die mahngebühr für den entlehnten, längst vergessen überfälligen fellini-film wohl leisten können sollen, dann sind sie endgültig angekommen - in der gehobenen unterschicht.

Sonntag, 15. Februar 2009

urlaub am steinhof


Lobotomy, it’s gotta be, lobotomy
Lobotomy, lobotomy, the best thing you can have
You’ll never be depressed again you’ll never be sad
All your pain is cleansed, now let’s celebrate
I tell you how you’re gonna feel you’re gonna feel great
Lobotomy, lobotomy, you will have such fun
The pain starts when you start to think you’re so much better dumb
So all you freaks now in the world line up against the wall
This solution’s perfect, for one and all
Lobotomy, lobotomy, well it won’t hurt will this
And even if it does, you won’t remember it
All you freaks are perverts, perverts through and through
So let them disengage your brains, the best thing they can do
Lobotomy, lobotomy, for them you are a pest
Lobotomy, lobotomy, you know it’s for the best
When between the temples you feel nice and numb
That’s when, my little freaks, you can have such fun
Lobotomy, it’s gotta be, lobotomy, it’s gotta be
Lobotomy, lobotomy, you know you will feel fine
For when your brains don’t work no more you join the divine
No sense of irritation at what you think is unjust
No longer when they lock you up will you in anger thrust
Lobotomy, it’s gotta be, lobotomy, it’s gotta be
Lobotomy, it’s gotta be, lobotomy, it’s gotta be
Lobotomy, lobotomy, lobotomy, it’s gotta be
Lobotomy, it’s gotta be, lobotomy, it’s gotta be
Loboooooooooooooo-tomy
Then you’ll all be vegetables, you might smell a bit
But after your lobotomy you will not know it

The Tiger Lillies - Lobotomy

stattdessen vielleicht doch lieber psychopharmaka.

Mittwoch, 28. Mai 2008

gastroenteritis

es mischt sich erwartungsgemäß auch ein wenig schadenfreude unter die reaktionen des umfelds darauf, dass ausgerechnet das an kindern desinteressierteste menschliche wesen von hier bis aserbaidschan, sich nun mit dingen auseinanderzusetzen hat, die der vermeintlich ewigwährenden und als für eh ganz gut befundenen eremitage völlig konträr entgegenstehen.

haltloses, hämisches gelächter als antwort auf meine offenbarung vom verlust des mieselsüchtigen singlestatus und des, zugegebenermaßen selbstverschuldeten, dennoch völlig unerwarteten vermehrungsprozesses, wundert mich kein bisschen, war ich doch bislang selbst die größte spötterin solcher biologismen.

doch was im freundeskreis amüsant und rechtens ist, stößt mir andernorts sauer auf, nein, bereitet mir sogar brechreiz. durch sozialisierung als frau daran gewöhnt, dass in vielen arbeitsbereichen ein sexitischer umgangston dominiert, verwundert es mich dennoch manchesmal , was sich menschen, vornehmlich männlicher natur, zu denen ich allerhöchstens ein distanziert bekanntschaftliches arbeitsverhältnis pflege, herausnehmen. nun, dass mann mich mit fünf kilo weniger vielleicht geiler fände, bekomm ich auch so schon oft genug gesagt...

"hättest dich halt in den arsch ficken lassen oder geschluckt."
"wie jetzt, das kann beim pissen wieder mitrausgehen, oder was?"der arbeitgeber´

"sag mal, kann es sein, dass deine titten schon größer geworden sind?"der vom klatschsüchtigen chef eingeweihte gast

"was, bist über die alte drübergestiegen?" "krötengesicht", seines zeichens ekelerregendster stammgast* aller zeiten, zum tratschhaften geldgeber.



* der stammgast: seine regelmäßige einkehr und die vorhersehbarkeit seiner bestellungen hat ritualcharakter und ist mitunter enorm wichtig für die psychische gesundheit von gastronomiepersonal. selten geht die beziehung zwischen gast und kellner über einige standardisierte floskeln hinaus, dennoch übt die anwesenheit eines als sympatisch empfundenen tresengegenübers auf beide seiten eine sehr beruhigende wirkung aus. nonverbale kommunikation, wie zum beispiel die bestellaufnahme, insbesondere aber befindlichkeitsbekundungen fernab der gastronomischen bedarfs- und angebotspalette, funktioniert beiderseits fast ausschließlich in solch einer gefestigt oberflächlichen beziehung. ein kellnerisches, genervtes augenrollen etwa, das auf verständnis stößt, entschädigt oftmals für die vielen idioten, die einem im arbeitsalltag begegnen, hier sei neben den groscherlzählern und notorischen nörglern, die ihrers lebens nicht froh werden, wenn sie nicht mindestens einmal täglich ihr selbstwertgefühl aufpolieren, in dem sie, ihrer meinung nach, niederes personal der völligen unfähigkeit bezichtigen, ganz besonders der nervtötende stammgast erwähnt: dieser typus ist fast ausschließlich männlich und häufig alleinstehend. sein gesprächsstil ist reichlich mit anzüglichkeiten gespickt. oft lässt sich der eindruck nicht vermeiden, diese sorte der barhocker sei im umgang mit frauen einzig auf schmierige machohaftigkeit getrimmt. die erbärmlichen versuche, sich zumindest verbal als frauenbeglücker zu profilieren, scheitern vorallem daran, dass der nervtötende stammgast seine brunftbemühungen allzu deutlich ohne aufrichtigem interesse an der bebalzten kellnerin verfolgt, sondern einzig und allein auf der suche nach irgendeiner frau ist, die ihm nicht davonlaufen kann oder ihn für sein urzeitliches verhalten schilt.

Samstag, 6. Oktober 2007

lesezeichen

"ich lese nicht, weil auf die art weitestgehend sichergestellt ist, dass all die dinge, die mir durch den kopf gehen, auf meinen eigenen kognitiven fähigkeiten beruhen und nicht bloßes nachdenken und stimmigfinden fremder wahrnehmungen sind." hab ich mal behauptet, mehr aus lust an provokation, denn aus überzeugung. zumindest war der kantzitierer ausreichend entrüstet ob meiner jugendlichen koketterie.

"wer sich nur auf die geistesbildung konzentriert, bei dem bleiben irgendwann die sozialen fähigkeiten auf der strecke!" hätt ich dem mann, der sich an den gedankengängen anderer durchs leben hangelt, und der mir noch 10 jahre später mit verachtung in der geschulten stimme vorhält, dass ich mich damals einen sommer lang in stevenkingsche schauerwelten flüchtete, noch gern entgegnet, die enttäuschung darüber mitklingend, dass er anhand meiner längstvergangenen lektüregewohnheiten über mich, das kind, missbilligend urteilt, aber ich habe es unterlassen, in der gewissheit, dass er, gewohnt daran nur zwischen druckgeschwärzten zeilen zu lesen, die bandbreite des gesprochenen wortes nicht mehr versteht.

die wahrheit ist recht trivial.

ich lese nicht mehr, weil mir die buchstaben entgleiten, entwischen, unbegreifbar bleiben. weil das rastlose auge, stets auf der hut, die vom geplänkel und geplauder des alltags übersättigten sinne, dem stillstand, der ruhe nicht über den weg trauen.

erst hier im krankenhaus, wo andere ihren psychopax im sedierten dämmerschlaf finden, wo ich nur sprechen muss, wenn man mich fragt, wo die außenreize auf ein minumum reduziert sind, erst hier kommt sie wieder, die alte, verlorengeglaubte lust an den stillen worten.

Donnerstag, 27. September 2007

memoiren einer zugstewardess

in kürze auf diesem weblog


in der zwischenzeit unterhält sie die junge mary roos*.


* gehörschäden von der haftung ausgeschlossen.

Samstag, 15. September 2007

i am a saftschubse, baby

demnächst auf diesem blog:

memoiren einer zugstewardess

bis dahin unterhält sie rudolf carl.

Dienstag, 11. September 2007

me and the gaybar: gewöhnungsbedürftig

Wenn mein Chef mich anruft und fragt:

Hey Maus, hast du heut Zeit, damit wir in den Sexshop gehen können?

dann handelt es sich lediglich um ein ganz normale Frage, im Rahmen eines ganz normalen Arbeitsverhältnisses.

Samstag, 1. September 2007

me & the gaybar: transgender

es arbeiten nicht besonders viele frauen in der städtischen schwulenszene. momentan bin ich wahrscheinlich sogar die einzige weibliche vollzeitkraft, was mitunter verwirrung stiftet:

"eure transe, die ist echt gut gelungen!"

zumindest werd ich kaum mehr für einen jungen mann gehalten, definitiv ein fortschritt.

Freitag, 27. Juli 2007

vom schreiben

Vor dem Weblog habe ich hin und wieder für ein Online-Magazin geschrieben. Zu Beginn noch mit der Motivation, anderes zu sein als alle, die anders sein wollten. Etwas Sarkasmus und verschrobene Ansichten unter das Volk bringen, mich selbst nicht allzu ernst nehmen. Weil sie mich gelangweilt haben, die Journalistikstudenten, ihr alternatives, politisch ultrakorrektes Gehabe und der feste Glaube, nach dreimonatigen Praktikum bei einer Regionalzeitung, Anzeigenabteilung womöglich, nunmehr professionelle Qualitätsberichterstattung zu betreiben. Einige sehr fähige Menschen waren darunter, doch alles in allem fand ich das Gesamtprodukt mehr linkisch denn das beabsichtigte links (Obwohl ein jeder zweite sich im Autorenprofil damit rühmte, Marx gelesen zu haben. Cirka ab dem zehnten Lebensjahr wird es übrigens peinlich, solche Dinge gesondert zu erwähnen).

Doch siehe da, kaum den ersten Text online, fand ich mich ganz wunderbar, vortrefflich, um nicht zu sagen schlichtweg genial. Es gelang mir sogar Stammleser zu gewinnen, mindestens fünf. Der „Ach was bin ich nicht für ein brilliantes Kerlchen“- Adrenalinkick hielt zwar selten länger an als ein paar Minuten, aber er stieg mir gehörig zu Kopf und so tappte ich in die gleiche Falle, in der ich die Mitschreiber schon längst alle vermutete (Nämlich sich an seinen eigenen Worten aufzugeilen). Oh, welch belebendes Tonikum war der Applaus für mein unsicheres Selbst, jeder Kritiker natürlich ein vollkommener Idiot, eine Banause sondergleichen. Schreiben konnte außer mir ohnehin keiner.

Glatt wär ich zur selbstherrlichen Diva verkommen. Dabei mochte ich, abseits des Beifalls, mein eigenes Werk nicht besonders, noch weniger allerdings die arrogante Kreatur, die ich mir geschaffen hatte.

Sollen sich doch andere weiter der Illusion hingeben, sie würden Großartiges für den Literatur- und Journaillenbetrieb leisten, weder bin ich eine Autorin oder Redakteurin, noch bin ich mir sicher, ob ich jemals eine werden wollen würde, geschweige denn werden könnte.

Wenn ich es denn erwähne, dass ich nicht nur Einkaufszettel schreibe, dann nur, um mein Leben interessanter darzustellen als es ist, wobei zu befürchten bleibt, dass ich nicht die Einzige bin, die eine solche Offenbarung im Stoßgebet verharren lässt: „Oh Gott, nicht schon wieder eine von der Sorte.“

Am fürchterlichsten sind die selbsternannten Dichter. Sprüchlein kredenzen die, dass einem ganz schwummrig wird ums empfindliche Ohr. Holprige Verse, unmelodisch, ohne Rhythmusgefühl verfasst und vorgetragen, dafür mit reichlich Schmalz samt altbewährtem Floskelpathos.

Weshalb Leute, die „Ich liebe dich, du liebst mich nicht“ - Gedichte schreiben, für ein Germanistikstudium zugelassen werden, bleibt mir ein Rätsel, warum sie ausgerechnet mir ihre schauerlichen Sprachverbrechen präsentieren, ebenso. Natürlich schmeichelt es dem dösenden Dämon, wenn man mich zu Höherem berufen meint. (Wieviele Literaturkritikerinnen wohl mit meiner Unfähigkeit gesegnet sind, Satzzeichen da anzubringen, wo sie hingehören, die mit der Rechschreibung, der alten, der neuen und der dazwischen so manches Wortgefecht austragen?) Zumindest ein verbindendes Element sehe ich, das mich vielleicht zu Urteilen befähigt, so horte ich nämlich Notizservietten mit eigenen Abscheulichkeiten, doch werden sie unter Verschluss gehalten, an die Öffentlichkeit dringt nur, was das betriebsblinde Kritikerinnenauge für halbwegs passabel hält. Von Schreiber zu Schreiber scheint es allerdings eine recht unterschiedliche Wahrnehmung und Selbstbewertung zu geben.

Man fragt mich also des Öfteren um meine Meinung. „Wie man mit einem derartig banalen, beschränkten Ausdrucksvermögen überhaupt in der Lage ist, Hochschulreife zu erlangen? Der Beipackzettel jedes Anti-Fußgeruchsprays birgt mehr Poesie, mehr Vielfalt und Spannung als deine gesammelten Texte. Der Schrieb taugt maximal als abschreckendes Beispiel.“ möchte ich antworten, stattdessen, eingedenk der unleugbaren Tatsache, dass ich es selbst nicht ertragen würde, wenn man mir eine solche Talentlosigkeit attestierte, entfleucht mir: “Wow, ich könnte einen solchen Text nicht schreiben! Ich find halt nur, dass die Thematik schon zu oft in einer ähnlichen Art und Weise behandelt wurde. Vielleicht lässt du noch zuwenig persönliche Note einfließen, dir fehlt ein bisschen der eigene, unverkennbare Stil.“ Ja, ich bin ein feiges diplomatisch veranlagtes Wesen.

Neulich sah sich ein solch farbloser Wortverdreher bemüßigt, mich an seinen Verlag zu vermitteln. Das fand ich überaus rührend, doch sollte ich jemals das Bedürfnis verspüren, mich einer Buchdruckerei aufzudrängen, dann mit Sicherheit nicht einer solchen, die kommentarlos aber kostenpflichtig jeden Schrott vervielfältigt, der sich auch nur im Entferntesten als Sprüchebüchlein eignen könnte - für Menschen, bei denen zuhause gerahmte Romantikposter im Wohnzimmer hängen, mit Bildern von Einhörnern und regenbogenfarbenen Wasserfällen, über der Sitzgarnitur, gleich neben dem Setzkasten mit der Überraschungseisammlung, den venezianischen Maskenminiaturen und den traurigen Clowns aus Porzellan.

jegliche sorge, durch zustimmung und lob könnte ich alsgleich wieder dem größenwahn anheimfallen, ist unbegründet. hauptsache sie finden mich weiterhin toll!

Donnerstag, 26. Juli 2007

me & the gaybar: i wish i was queer so i could get chicks

Was eine Hetero-Frau dazu veranlasst, ausgerechnet in einer Schwulenkneipe zu arbeiten? In einer recht dubiosen Halbwelt zu verweilen, die mit dem wirklichen Leben auf den ersten Blick nichts gemein hat. Manchen erscheint es als Abstieg, andere beeindruckt der vermeintliche Glamourfaktor, „Erzähl der Großmutter, Tante, usw. ja nichts davon“ fordern meine Eltern, meine letzte Beziehung ging, neben einigen anderen Faktoren, an meiner Berufswahl zugrunde, dennoch sehe ich meine Arbeit zum gegenwärtigen Zeitpunkt als persönliche Bereicherung, zumindest was den Charakter angeht, die Bank würde sich mich in anderer Tätigkeit wünschen.

Der Zufall oder mein Naturell wollten es, dass ich schon früh mit Menschen zu tun hatte, die ihre Partner nicht nach fortpflanzungförderlichen Kriterien wählen. Zur Sorte Frau, die ihrem besten schwulen Freund in unglücklicher Anbetung zugetan ist und hofft ihn umpolen zu können, zähle ich mich nicht, obwohl auch ich einen Lieblingskumpanen habe, dessen Partnerschaftspräferenzen gleichgeschlechtlicher sind, als er sich`s eingesteht.

Der homosexuelle Wegbegleiter hat Vorzüge, die ich durchaus zu schätzen weiß. Die in den meisten Lebenslagen störende Mann-Frau-Anziehung wird ausser Kraft gesetzt. Man kann Tisch und Bett miteinander teilen, wie man es seit Kindertagen mit keinem männlichen Wesen mehr so absichtsfrei erlebt hat, weil einem ansonsten doch ständig dies brünstige Balzverhalten im Wege steht. Nur zu straighten Frauen und homosexuellen Männern kann ich Naheverhältnisse pflegen, ohne dass mir die Begierde die Gedanken verseucht oder eben dies umgekehrt erhofft/befürchtet wird, Berührungen bleiben Berührungen um der Person willen und nicht weil mich die Biologie in ihren unheilschwangeren Fängen hält. Besitzansprüche und Eifersüchteleien halten sich in Grenzen, der große Rausch, die Tragödien bleiben aus. Kein „folie a deux“ wenn die Fortpflanzungsorgane verpackt bleiben. Frauen und Schwule sind mein Rückzuggebiet in einer Welt omnipräsenter sexueller Spannungen, mein Urlaub vom Jagdbetrieb, Schonzeit. Selbst die asexuelle, aber nunmehr aufrichtigere Freundschaft, die mich mit Ex-Gefährten verbindet, mit denen ich die Kreisläufe des Werbens, Verliebens, Übereinanderherfallens und sich hernach wieder Entliebens allesamt durchlaufen habe, steht niemals auf so sicheren Beinen, wie die Zuneigung einem Menschen gegenüber, dessen Paarungsverhalten ein Miteinander in dieser Hinsicht komplett ausschließt.

Die Schwulenbar ist nun der erste Arbeitsplatz, an dem ich die langersehnte, entsexualisierte Arbeitsumgebung für mich endlich verwirklicht sehe. Es mag paradox erscheinen, zumal ich ich tagtäglich mit einem Jargon zu tun habe, der anderen die Schamesröte ins Gesicht treibt. Mir bereitet es keinerlei Schwierigkeiten die gängigsten schwulen Praktiken zu benennen und ich kann über derbe, schlüpfrige Scherze, die bestimmt nicht der üblichen Auffassung von weiblichem Humor entsprechen, herzlich lachen. Meine Argumentation mag auch insofern unstimmig klingen, als ich doch Dinge erlebe, wie etwa als einzige Frau, abgesehen von der Tunte im Fummel, die sich nervös, weil völlig deplatziert zwischen all den Kerlen im Muskelshirt, an mich hielt, bei einer live Pornoshow anwesend zu sein.
Wäre es eine heterosexuelle Darbietung gewesen, ich wäre schockiert geflüchtet. Dabei habe ich keine Probleme mit dem Sekretaustausch zwischen erwachsenen Personen, wer was mit wem macht interessiert mich, außer bei eigener Beteiligung, allerdings überhaupt nicht. In den vergangenen Monaten habe ich gelernt, so manches diskret zu übersehen. Wobei natürlich in jedem Nachtlokal, unter dem enthemmenden Einfluss von Alkohol, das triebgesteuerte Tier hervorgekehrt wird - es handelt sich keinesfalls um ein Spezifikum eines durchwegs homosexuell besuchten Etablissements, dass zwei sich finden und aufs Klo verschwinden. Mein Verständnis von Perversion besagt, dass alles was aus beid- oder mehrseitigem freien Willen geschieht und ohne Zwang, wohl irgendwie seine Berechtigung hat und vermutlich normal ist. Im Grunde ist der körperliche Austausch großteils eine recht geschäftliche Angelegenheit, egal ob dafür bezahlt wird oder nicht, nur beim Frauenkörperausverkauf bin ich enorm misstrauisch. Von Ausnahmen abgesehen, fehlt mir dort nämlich der Aspekt der, nunja, Freiwilligkeit. (Zu Zeiten ganz besonders dringlicher Geldbeschaffungsversuche, war ich kurzfristig geneigt, für einen Escortservice zu telefonieren. Nun, ich weiß um den kostenpflichtigen Klang meiner Stimme. Mein Part wäre gewesen, mich am Telefon als die gebuchte Dame auszugeben um Männer hinzuhalten, bis Hotelzimmer und Dame frei waren. Das Salär, nach meinen bescheidenen Maßstäben, extraordinär, doch mein Gewissen sagte mir, es sei nicht rechtens die Prostitution der Frau zu fördern und ich möchte mit solchen Kreisen auch nichts zu tun haben.)

Doch halt, darauf wollte ich gar nicht hinaus! Vielmehr ging es mir darum: In der Schwulenbar bin ich unsichtbar. Ich stehe außerhalb des Systems. Man nimmt mich nur wahr, als das was ich bin – die Kellnerin – nicht potentielles Begattungsobjekt. Weil mich die Männer nicht haben wollen und die paar anwesenden lesbischen Frauen mich, wenn, dann ausschließlich menschlich interessieren, finde ich mich plötzlich in einer Beobachterrolle wieder, die mir völlig neue Perspektiven gewährt. Nie zuvor war es mir möglich, menschliches Verhalten so objektiv zu beurteilen. Vor meiner Theke läuft ein Lehrfilm über das Sozialverhalten der Menschheit ab.

Anfangs war es schwer zu begreifen, nicht Gegenstand des Interesses zu sein. Zwar bin ich sicherlich keine Frau, die den Massengeschmack trifft, die übermäßig mit weiblichen Reizen kokettiert, trotzdem war ich es gewohnt, zumindest seit ich das Geschlechterspiel in Ansätzen selbst beherrsche, ein paar eindeutige Reaktionen zu ernten. Mein Klientel hingegen schätzt mich als Servierkraft, manch einer vielleicht sogar als neutrale Gesprächspartnerin für barunübliche Themen, doch ansonsten bin ich Luft.

Einmal nicht mitmachen zu müssen oder bedacht zu werden im ewigen Auf und Ab der Sehnsüchte ist ungemein erholsam, die Betrachtungen, die sich mir bieten sind ernüchternd. Ausgerechnet an einem Ort wo meine eigenen Vorlieben garantiert unbeachtet bleiben, fällt mir zum ersten Mal auf, wie extrem man aufs bevorzugte Geschlecht fixiert ist, wie sehr sich das vermeintlich selbstbestimmte Tun und Handeln doch am umworbenen Gegenüber orientiert. Was sind wir nicht alle für Poser, Selbstdarsteller und Leibeigene unserer Triebe?! Manchmal wünsch ich mir, die Evolution wär bei der Zellteilung stehengeblieben.

privataudienz

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der pöbel unter sich

Ich finde die beamtenhaft...
Ich finde die beamtenhaft anmutende Pause in diesem...
bob (Gast) - 23. Dez, 10:14
Das ist doch unglaublich....
Das ist doch unglaublich. Glaub ich.
textorama (Gast) - 22. Sep, 17:11
Wohl eher ein naturhysterisches...
Wohl eher ein naturhysterisches Diorama. Die beiden...
textorama (Gast) - 22. Sep, 17:10
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p. (Gast) - 9. Aug, 04:03
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auf n sprung ins gemüse?
auf n sprung ins gemüse?
p. (Gast) - 6. Aug, 03:56
klammern halten die großen...
klammern halten die großen scheine einfach besser...
MoniqueChantalHuber - 3. Aug, 16:08
Klammern anstatt Rettungsschirm,...
Klammern anstatt Rettungsschirm, sehr clever.
mq (Gast) - 2. Aug, 09:08
eine fabelnhafte idee.
eine fabelnhafte idee.
MoniqueChantalHuber - 1. Aug, 22:30
Ich überlege gerade,
ob es nett wäre, wenn sich könig egon ladislaus...
schreiben wie atmen - 1. Aug, 22:18

kundmachung

dieser weblog basiert im wesentlichen auf texten, fotos sowie illustrationen von MoniqueChantalHuber und alter egos. moralisch inakzeptable wortmeldungen, sofern sie nicht der feder ihrer majestät entspringen, werden mitsamt verfasser an den pranger gestellt, gevierteilt oder am scheiterhaufen verbrannt. die zensurgewalt von MCH bezieht sich jedoch bedauerlicherweise nur auf ungehörige kommentare innerhalb ihres hoheitsgebietes. und legasthenie ist lediglich ein schönheitsfehler.

korrespondenz

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Zuletzt aktualisiert: 23. Dez, 10:14

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