so kam der mensch auf den hund teil II
Zum besseren Verständnis in welch misslicher Lage ich mich befinde, seit ich hauptberufliche Hundeanimateurin bin, folgt nun erstmal ein Exkurs über die dicke Berta.
Eigentlich heißt die dicke Berta ja Betty, aber sie scheint diesbezüglich sehr flexibel und hört auch auf „Beddüüüü“, „Mörderbärbel“ oder „Schlitzaugenstinktier“, vermutlich würde sie sogar auf „Horst“ oder gar „Autobahn“ reagieren, Hauptsache Aufmerksamkeit – was die dicke Berta betrifft, gilt ein Grundsatz ganz besonders : „Schau niemals einem Hund direkt in die Augen!“ - der könnte das nämlich als Interessensbekundung interpretieren und die erhoffte Zuwendung sozusagen augenblicklich und vorauseilend mit einer halb gesprungenen, halb gerempelten Liebesattacke beantworten.
Erwähnte ich es bereits? - die Berta ist ein mannstolles Luder! (Von mir hat sie das definitiv nicht!).
All meine emanzipatorischen Ermahnungen haben nicht gefruchtet – kurzfristig glaubte ich, sie hätte was dazugelernt, als sie in einer pubertären Phase all ihre Zerstörungsenergie auschließlich auf Bh`s und Handtaschen lenkte, aber nein, die Töle legt sich noch immer vor ihren auserwählten Menschenmännern auf den Rücken, reckt alle Viere von sich und grunzt erwartungsfroh.
Sie hat bei ihrer Wahl allerdings nie sonderlich viel Geschmack bewiesen (anfangs dachte ich noch, wie praktisch, ich könnt sie auf meinen favorisierten Typus Mann ansetzen, aber die dumme dicke Berta schmeisst sich bevorzugt vor Müllmännern und Tattergreisen auf den Boden.)
Ein Gutes jedoch hat des Fräuleins peinliches Betragen, sobald es Testosteron schnuppert: der Herr Teilzeitgefährte (meine Wahl, die Berta hätt´wahrscheinlich den Postboten genommen), der fand die Berta anfangs unheimlich unheimlich, doch als er sie zum ersten Mal wohlig grunzen hörte, da war`s um ihn geschehen - Allem Anschein nach lösen Weibchen, die sich röchelnd am Boden wälzen, im männlichen Gehirn sowas wie Besitzerstolz aus. Auf diesen Punkt möchte ich jedoch nicht weiter eingehen.
Die dicke Berta ist von rustikalem Gemüt, böse Zungen behaupten, wär sie ein Mensch, dann mehr Prolet. Ich habe schon früh versucht, dem entgegenzuwirken, doch sie hat sich stets geweigert, selbst bei grimmiger Kälte, den schwarzen Welpenrollkragenpullover zu tragen (mir schwebte vor „Jean Paul Satre“ in roten Lettern draufsticken zu lassen, um uns von den „Tut nix“ und „Security“Emblemen anderer Hundegeschirrträger abzugrenzen und den Randgruppenhund auch in studentischen Kreisen salonfähig zu machen, aber ich gestehe, zu dem Zeitpunkt befand ich mich grad in einer postpubertären existentialistischen Phase) und wirkt insgesamt nicht sehr intellektuell - sie hat in ihrem jungen Leben schon Heizkörper, Thermostate, Bettpfosten, Einbauschränke, Autositze, Hundeleinen, Verlängerungskabel, Pappkartons, Socken, Haarbürsten und Bettwäsche angeknabbert, jedoch kein einziges Buch.
Dennoch hat sogar die dicke Berta ein kleinwenig Sinn für Feinsinn. Jedes Blümchen am Wegesrand versetzt sie in schiere Verzückung, Blumenläden sind für sie ein wahres Paradies.
Die Berta ist in sogenannter Mampfhund und frisst alles, bevorzugt natürlich was so auf der Straße rumliegt. Allerdings ist mit der Berta nicht gut Kirschen essen, sie mag Äpfel lieber. Kinder hat sie - zur allgemeinen Verwunderung - noch keine gefressen, auch ich selbst bin noch immer im Besitz eines vollständig unversehrten Körpers, obwohl Besserwissende mir anderes prophezeit haben – ich vermute allerdings insgeheim, dass es sich bei ihrer Angewohnheit Menschen abzulecken, um eine Art der Vorverdauung handeln könnte.
Ich bin mir im Klaren darüber, dass die Berta eine ständige Bedrohung für Leib und Leben darstellt, in ihr schlummert das Böse (ca. 15 Stunden täglich).
Ihr Methoden sind perfide. Ich entsinne mich eines Abends, an dem eine Giftgaswolke aus Hinterleib der Bestie fuhr und ein todbringender Fäulnisgestank durch die Räume waberte. Mit letzter Kraft konnte ich mich ans Fenster retten und überlebte den Anschlag relativ unbeschadet.
Menschen mit Straßendreckallergie und allen Lebensfreudephobikern ist der Umgang mit der dicken Berta eine reine Qual. In den vergangenen Monaten hat sie jedoch ihre Angriffststrategie verfeinert (bis vor einiger Zeit war nach einer direkten Begegnung mit Berta die Fortpflanzungsfähigkeit männlicher Menschenwesen nicht mehr unbedingt gewährleistet), und kämpft nunmehr mit den Waffen eines Weibchens – dem „Schlitzaugencharmeblick“und zeitweilig dem bereits angesprochenen „Wohllüstig zu Boden werfen“
Außerdem ist die Berta ein Bärenbeisser, ich habe gesehen was sie mit ihren Opfern anstellt – Knopfaugen abreissen, Eingeweide langsam aus dem Körper schälen, Pinguin war nach 2 Tagen ebenfalls kaputt.
Was hat meine Mutter geheult, als ich und die Berta zum ersten Mal zu Besuch kamen. Sie hatte ja sehr viel über diese Hunderasse gelesen, hauptsächlich in bestimmten Qualitätszeitungen, instinktiv hat sie gleich erkannt, aus diesem Welpen wird einmal ein Monster. Wie verschlagen und bösartig der über die Wiese hopst! Wie niederträchtig und brutal der schläft! Wie hinterhältig und gemein der mit dem Schwanz wedelt!
Ich muss mir heute eingestehen, sie hatte absolut recht – die Berta ist ein gefährlicher Hund, sie hat mich zu etwas gemacht, dass ich keinesfalls jemals werden wollte - zu einer Quietschefrau.
Ich war nie ein Quietschtyp, ich hielt mich stimmlich nicht für geeignet zu quieken oder sonstige schrille Laute von mir zu geben, aber, was soll ich sagen - Ja, auch ich quieke!
Mein Wortschatz hat sich drastisch reduziert, hauptsächlich auf Worte, die ich in den hundefreien Jahren niemals freiwillig in den Mund genommen hätte, ohne an meinem Verstand zu zweifeln. Die Fähigkeit komplexe Sätze zu bilden, ist mir vollständig abhanden gekommen. Meine Hauptsätze lauten nunmehr : „Wo is die Bedddiiiiiiiiiiiii?“ und „So is sie feeiiiiiiiiiiin!“, beides gequiekt vertsteht sich.
Ich bin auf dem Kommunikationsniveau eines Meerschweinchens angelangt und fühl mich erstaunlich gut dabei, denn die Bedddiiiiiiiiiiiiii, die hat das Gegurre gern, und freut sich die Bedddiiiiiiiiiiiiii, dann freut sich der Mensch.
Eigentlich heißt die dicke Berta ja Betty, aber sie scheint diesbezüglich sehr flexibel und hört auch auf „Beddüüüü“, „Mörderbärbel“ oder „Schlitzaugenstinktier“, vermutlich würde sie sogar auf „Horst“ oder gar „Autobahn“ reagieren, Hauptsache Aufmerksamkeit – was die dicke Berta betrifft, gilt ein Grundsatz ganz besonders : „Schau niemals einem Hund direkt in die Augen!“ - der könnte das nämlich als Interessensbekundung interpretieren und die erhoffte Zuwendung sozusagen augenblicklich und vorauseilend mit einer halb gesprungenen, halb gerempelten Liebesattacke beantworten.
Erwähnte ich es bereits? - die Berta ist ein mannstolles Luder! (Von mir hat sie das definitiv nicht!).
All meine emanzipatorischen Ermahnungen haben nicht gefruchtet – kurzfristig glaubte ich, sie hätte was dazugelernt, als sie in einer pubertären Phase all ihre Zerstörungsenergie auschließlich auf Bh`s und Handtaschen lenkte, aber nein, die Töle legt sich noch immer vor ihren auserwählten Menschenmännern auf den Rücken, reckt alle Viere von sich und grunzt erwartungsfroh.
Sie hat bei ihrer Wahl allerdings nie sonderlich viel Geschmack bewiesen (anfangs dachte ich noch, wie praktisch, ich könnt sie auf meinen favorisierten Typus Mann ansetzen, aber die dumme dicke Berta schmeisst sich bevorzugt vor Müllmännern und Tattergreisen auf den Boden.)
Ein Gutes jedoch hat des Fräuleins peinliches Betragen, sobald es Testosteron schnuppert: der Herr Teilzeitgefährte (meine Wahl, die Berta hätt´wahrscheinlich den Postboten genommen), der fand die Berta anfangs unheimlich unheimlich, doch als er sie zum ersten Mal wohlig grunzen hörte, da war`s um ihn geschehen - Allem Anschein nach lösen Weibchen, die sich röchelnd am Boden wälzen, im männlichen Gehirn sowas wie Besitzerstolz aus. Auf diesen Punkt möchte ich jedoch nicht weiter eingehen.
Die dicke Berta ist von rustikalem Gemüt, böse Zungen behaupten, wär sie ein Mensch, dann mehr Prolet. Ich habe schon früh versucht, dem entgegenzuwirken, doch sie hat sich stets geweigert, selbst bei grimmiger Kälte, den schwarzen Welpenrollkragenpullover zu tragen (mir schwebte vor „Jean Paul Satre“ in roten Lettern draufsticken zu lassen, um uns von den „Tut nix“ und „Security“Emblemen anderer Hundegeschirrträger abzugrenzen und den Randgruppenhund auch in studentischen Kreisen salonfähig zu machen, aber ich gestehe, zu dem Zeitpunkt befand ich mich grad in einer postpubertären existentialistischen Phase) und wirkt insgesamt nicht sehr intellektuell - sie hat in ihrem jungen Leben schon Heizkörper, Thermostate, Bettpfosten, Einbauschränke, Autositze, Hundeleinen, Verlängerungskabel, Pappkartons, Socken, Haarbürsten und Bettwäsche angeknabbert, jedoch kein einziges Buch.
Dennoch hat sogar die dicke Berta ein kleinwenig Sinn für Feinsinn. Jedes Blümchen am Wegesrand versetzt sie in schiere Verzückung, Blumenläden sind für sie ein wahres Paradies.
Die Berta ist in sogenannter Mampfhund und frisst alles, bevorzugt natürlich was so auf der Straße rumliegt. Allerdings ist mit der Berta nicht gut Kirschen essen, sie mag Äpfel lieber. Kinder hat sie - zur allgemeinen Verwunderung - noch keine gefressen, auch ich selbst bin noch immer im Besitz eines vollständig unversehrten Körpers, obwohl Besserwissende mir anderes prophezeit haben – ich vermute allerdings insgeheim, dass es sich bei ihrer Angewohnheit Menschen abzulecken, um eine Art der Vorverdauung handeln könnte.
Ich bin mir im Klaren darüber, dass die Berta eine ständige Bedrohung für Leib und Leben darstellt, in ihr schlummert das Böse (ca. 15 Stunden täglich).
Ihr Methoden sind perfide. Ich entsinne mich eines Abends, an dem eine Giftgaswolke aus Hinterleib der Bestie fuhr und ein todbringender Fäulnisgestank durch die Räume waberte. Mit letzter Kraft konnte ich mich ans Fenster retten und überlebte den Anschlag relativ unbeschadet.
Menschen mit Straßendreckallergie und allen Lebensfreudephobikern ist der Umgang mit der dicken Berta eine reine Qual. In den vergangenen Monaten hat sie jedoch ihre Angriffststrategie verfeinert (bis vor einiger Zeit war nach einer direkten Begegnung mit Berta die Fortpflanzungsfähigkeit männlicher Menschenwesen nicht mehr unbedingt gewährleistet), und kämpft nunmehr mit den Waffen eines Weibchens – dem „Schlitzaugencharmeblick“und zeitweilig dem bereits angesprochenen „Wohllüstig zu Boden werfen“
Außerdem ist die Berta ein Bärenbeisser, ich habe gesehen was sie mit ihren Opfern anstellt – Knopfaugen abreissen, Eingeweide langsam aus dem Körper schälen, Pinguin war nach 2 Tagen ebenfalls kaputt.
Was hat meine Mutter geheult, als ich und die Berta zum ersten Mal zu Besuch kamen. Sie hatte ja sehr viel über diese Hunderasse gelesen, hauptsächlich in bestimmten Qualitätszeitungen, instinktiv hat sie gleich erkannt, aus diesem Welpen wird einmal ein Monster. Wie verschlagen und bösartig der über die Wiese hopst! Wie niederträchtig und brutal der schläft! Wie hinterhältig und gemein der mit dem Schwanz wedelt!
Ich muss mir heute eingestehen, sie hatte absolut recht – die Berta ist ein gefährlicher Hund, sie hat mich zu etwas gemacht, dass ich keinesfalls jemals werden wollte - zu einer Quietschefrau.
Ich war nie ein Quietschtyp, ich hielt mich stimmlich nicht für geeignet zu quieken oder sonstige schrille Laute von mir zu geben, aber, was soll ich sagen - Ja, auch ich quieke!
Mein Wortschatz hat sich drastisch reduziert, hauptsächlich auf Worte, die ich in den hundefreien Jahren niemals freiwillig in den Mund genommen hätte, ohne an meinem Verstand zu zweifeln. Die Fähigkeit komplexe Sätze zu bilden, ist mir vollständig abhanden gekommen. Meine Hauptsätze lauten nunmehr : „Wo is die Bedddiiiiiiiiiiiii?“ und „So is sie feeiiiiiiiiiiin!“, beides gequiekt vertsteht sich.
Ich bin auf dem Kommunikationsniveau eines Meerschweinchens angelangt und fühl mich erstaunlich gut dabei, denn die Bedddiiiiiiiiiiiiii, die hat das Gegurre gern, und freut sich die Bedddiiiiiiiiiiiiii, dann freut sich der Mensch.
MoniqueChantalHuber - 25. Feb, 16:06

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